In jungen Jahren begann ich das Studium der Anatomie, da ich glaubte, sie sei das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende aller Formen und all jener Gesetzmäßigkeiten welche durch Selektion und Kombination von Elementen, Eigenschaften und Menge, den menschlichen Organismus gestalten. Die menschliche Gestalt weist auf Etwas hin. In erster Linie ist sie als eine hieroglyphenartige Repräsentation aller Wesen und Prinzipien konstruiert, welche physisch und geistig an der Entstehung von Welten mit deren materiellen Formen, lebendigen Bewegungen und geistigen Bestimmungen interessiert sind. Der Mensch repräsentiert den Geist und die Weisheit Gottes im Maße seiner Begabungen. Dies zeigt sich in der Darstellung seines Wissen und seiner Fähigkeit dieses Wissen bis zu jenem Grade der Vollkommenheit zu erweitern, der für ihn durch die ihm zugeteilte geistige Perception und durch sein Ansammeln und Verknüpfen von Fakten im Grade der ihm möglichen, sinnvollen Schlussfolgerungen, erreichbar ist. Er denkt nach, da ihm jenes Ausmaß an mentalen Fähigkeiten mangelt, das man als absolutes Wissen bezeichnet. Er kann innnerhalb seiner Sphäre alle Begrenzungen ausloten, nicht mehr. Der Fisch kann zur Oberfläche des Wassers schwimmen, er kann bis auf den Grund hinabtauchen; er kann die Flüsse und Ozeane nach Länge und Breite durchschwimmen, soweit, wie er dazu vorbereitet ist, in ihnen zu leben und sie zu erforschen – gehorsam gegenüber jenem Machtwort, welches spricht: „So weit sollst Du gehen und nicht darüber hinaus.“ Die in Höhen segelnden Vögel sind die einzigen Fische des athmosphärischen Ozeans. Sie können die obere Oberfläche dieses großen Ozeans berühren, sie können zur unteren Oberfläche hinabsteigen; die Begrenzungen ihres Lebens finden sich zwischen den oben angeführten Grenzen. Sie können leben, gedeihen und sich des eigenen Daseins erfreuen, innerhalb des Bedeutungsfeldes, für das sie geschaffen wurden. Es gilt das Gleiche wie für die Fische. Dieses Gesetz kann auch auf den Menschen angewandt werden. Wenn der Fisch seinen Platz mit dem Vogel tauschen würde, würde er sicherlich sterben und ausgelöscht werden. Die gleiche Regel könnte auf den Vogel angewandt werden. Das Element, welches das tierische Leben gemäß seinen Besonderheiten erhält, wird reichlich unterstützt und ist in seiner spezifischen Umgebung beheimatet. Dasselbe Gesetz des Aussterbens würde eindrucksvoll wirksam werden, wenn der Vogel im Wasser der Meere leben wollte.
Lasst uns diese naive Annäherung unserer Philosophie anwenden und einige Veränderungen zugunsten der gedanklichen Zweckmäßigkeit anfügen. Nehmen wir an, wir würden das Herz in die Schädelhöhle emporheben und das Gehirn an jene Stelle bringen, an der sich momentan die Leber befindet; die Leber an jene Stelle an der die Lungen sind und die Lungen an die Stelle des Sakrums; was würden wir anderes erwarten als den Tod für das Vogelartige wie für den Fisch? In diesem Sinne muss der praktische Osteopath beim Justieren des Systems sehr genau vorgehen. Er muss wissen, dass er sein Werk in allen Einzelheiten richtig gemacht hat, in der Art und Weise dass alle Formen, groß und klein, überall im Körper, unendlich genau stimmen müssen. Er muss ins Auge fassen, dass der notwendige Brennstoff und die Ernährung des Lebens welche in den Händen des Göttlichen ruht, zu jenem Grade an Genauigkeit angepasst wird der sich fand, als der erste Atemzug des individualisierten Lebens empfangen wurde.
Osteopathie ist auf dem Prinzip des Schuldners und Kreditgebers aufgebaut. Wir müssen der Natur zugestehen, dass sie ihre Arbeit in der gesamten Maschinerie und den Funktionen des animalischen Lebens in aller Perfektion geleistet hat und dass die späteren Ergebnisse so gut oder schlecht sind wie die Ausgangspunkte und Variationen. Wenn wir irgendwelche Variationen fern vom normalen Ausgangspunkt feststellen, ist weder unsere Arbeit vollständig, noch wir einer Belohnung würdig, bis wir durch entsprechende Ausrichtung den Zustand des Normalen erreicht haben. Wir wissen um unsere Verantwortlichkeit und sollten daran arbeiten ein ausgeglichenes Konto vorzulegen und willig unsere Arbeit der Kritik der Anatomie unterwerfen.
Geburtsmuster als Studiengrundlage in Beziehung zu griechischer Mythologie
- Muster der Bewegung (Gesten): Körperorientierung zum Geburtskanal (Lagetyp) und daraus resultierende Geburtsbewegungen (z.B. Flexion - Rotation - Deflexion - Extension - Rotation - Deextension - Freiheitsgrade) - Muster der Zeit: jeder Geburtsablauf und jede Geste...
Die Differentialdiagnose in der Kinderosteopathie
Die Beschäftigung mit der Differentialdiagnose führt in einen besonderen Bereich der menschlichen Denktätigkeit und des Bildens von Vorstellungen. Die differentialdiagnostische Beschreibung kindlicher Entwicklungsphänomene beschäftigt sich mit besonders komplexen...
Die Niere als Organ der fluidaler Sonderung – Bildung des Harns
Für die osteopathische Exploration ist es hilfreich, die physiologischen Fakten der Bildung des Urins aus der gewohnten Betrachtung „Urin als Ausscheidungsprodukt“ herauszunehmen. Die bisher erfolgten physiologischen Untersuchungen können eher unter dem Modell...
Differentialdiagnostisches Denken
Differenzialdiagnostisches Denken Im Folgenden soll eine Möglichkeit dargestellt werden, über das denkende Erarbeiten einer Differenzialdiagnose so nachzudenken, dass für das Erleben des Denkens in allen Schritten der Zusammenhang mit den beobachtbaren Erscheinungen...
Die Gründerväter in Licht der dreigliedrigen anatomischen Morphologie
Unter dem Gesichtspunkt der in Deutschland durch Rudolf Steiner angeregten und vorwiegend durch Johannes W. Rohen erarbeiteten dreigliedrigen Morphologie des Menschen kann ein interessanter Blick auf die drei sogenannten Gründerväter der Osteopathie geworfen werden....